Für ihn gab es nie eine ausweglose Situation, Zum Tode unseres Genossen Berthold Grein, (16.7.1948 – 22.5.2008)
Aufgewachsen in einem humanistischen Elternhaus in Wertheim befasste er sich früh mit Sprache, Kultur und Philosophie der griechischen Antike, studierte Griechisch und Latein in Würzburg, Heidelberg und Tübingen. Er wurde im Alter von 23 Jahren Lehrer am Evangelischen Seminar in Urach (Baden-Württemberg)und nach seinem Umzug 1977 am Gymnasium in Geldern (Niederrhein). Intensiv befasste er sich mit den Schriften des griechischen Philosophen Heraklit, der als Erster, wie Hegel es formulierte, die „Dialektik selbst als Prinzip“ auffasste. Im Unterschied zu dem Welt abgeschieden lebenden Heraklit, suchte Berthold nach einer Möglichkeit, die Welt zu verändern und fand sie mit der Organisierung in den Kommunistischen Studentengruppen, der Studentenorganisation des KAB(ML), der Vorläuferorganisation der MLPD. Das Erscheinen und mehrfache Studium des REVOLUTIONÄREN WEG Nr. 6 „Die dialektische Methode in der Arbeiterbewegung“ im Jahr 1971 bekräftigte ihn in seiner Lebensentscheidung, sich eng mit der Arbeiterklasse zu verbinden und für den echten Sozialismus zu kämpfen, die bis zum Schluss sein Denken, Fühlen und Handeln bestimmte.
Das war alles andere als ein leichter Weg. Eine - wie sich später herausstellte - unheilbare Krankheit von klein auf schränkte seine Arbeitsfähigkeit mit zunehmendem Alter immer weiter ein. Er rang sich täglich stundenweise die Arbeitszeit ab, wobei er zuletzt am meisten darunter litt, dass er aufgrund eines schweren Hörschadens nur noch äußerst eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte und Veranstaltungen, Konzert- und Theaterbesuche, Feiern und Geselligkeiten für ihn tabu wurden. Die eingeschränkten unmittelbaren praktischen Erfahrungen erschwerten ihm auch den Zugang zur Lehre vom gesellschaftlichen Kampf um die Denkweise. Umso mehr ließ er keine Möglichkeit verstreichen die Kumpel in der Kolonie in Neukirchen-Vluyn zu besuchen. Zu einmal geschlossenen Kontakten und Freundschaften mit Menschen unterschiedlichster Weltanschauung verlor er nie die Verbindung, nahm intensiven Anteil an ihrer Entwicklung, ihren Freuden und Nöten und entwickelte dazu einen intensiven Briefwechsel. Seine Bescheidenheit, Warmherzigkeit und humorvolle Art nahm einen sofort gefangen.
Sein kräftiges Herz und eine mit Wandern und Bergsteigen seit der Jugend trainierte Zähigkeit trugen dazu bei, dass er sich auch durch die heftigsten gesundheitlichen Rückschläge nie unterkriegen ließ. Für ihn gab es nie eine ausweglose Situation, weil er fest vom Sieg des Sozialismus überzeugt war, für den es auch unter den schwierigsten Bedingungen zu leben und zu kämpfen lohnt. Während ihm unsere Arbeit oftmals zu langsam voran ging und er zum Teil wenig Verständnis aufbrachte, wenn sich vermeidbare Fehler wiederholten, freute er sich ungemein über jeden Schritt vorwärts, über jeden Erfolg in der Kleinarbeit, über den in letzter Zeit sichtbar gewachsenen gesellschaftlichen Einfluss seiner Partei.
Er selbst leistete mit seiner umfassenden Allgemeinbildung und dem unersättlichen Drang zur Erforschung der Welt einen großen unverwechselbaren Beitrag zum erfolgreichen Parteiaufbau. Dabei nutzte er seine hervorragenden Sprachkenntnisse in Englisch, aber auch Französisch für zahllose umfangreiche Recherchen und wissenschaftliche Analysen in der Grundlagenarbeit der Partei. Er war ein hervorragender Kenner der Politischen Ökonomie des Marxismus-Leninismus und Experte in der Militärwissenschaft und schulte sich selbst unablässig durch das Studium der Schriften von Marx zur Ökonomie in der Beherrschung der dialektischen Methode.
Mit seinem rastlosen Einsatz forderte er auch seinen Mitmenschen viel ab, überforderte sich dabei oftmals selbst, konnte sich aber stets des liebevollen Rückhalts seiner Frau und seiner beiden Jungs sowie der Solidarität seiner Genossen sicher sein. Sein unerwarteter Tod macht uns schmerzlich bewusst, was wir noch alles gemeinsam vorhatten. Wir werden es nun ohne ihn, aber in seinem Sinne fortzusetzen haben.
Klaus Wallenstein, Zentralkomitee der MLPD
