"Nokia: Kein zweites AEG und BenQ - Den Weg der Arbeiteroffensive gehen!"
Die
Bevölkerung des Ruhrgebiets steht solidarisch hinter dem Kampf der
Nokia-Belegschaft um jeden Arbeitsplatz. Das bestätigt erneut das Echo
auf den Familienprotesttag mit Menschen- und Lichterkette rund um das
Bochumer Nokia-Werk, zu dem die IG Metall aufgerufen hat. Die eiskalten
Nokia-Bosse lassen sich damit aber nicht in die Knie zwingen.
Entscheidend ist, ob solche symbolischen Aktionen der Mobilisierung zum
Kampf dienen oder davon ablenken sollen.
Welchen Weg muss die Belegschaft im Kampf um ihre Interessen gehen?
Das
Nokia-Management ist politisch in der Defensive und erntete weltweite
Empörung durch ihren rücksichtslosen Schließungsplan. Die Große
Koalition in Berlin verliert an Zustimmung und die Wahlergebnisse der
Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen kennzeichnen eine
fortschreitende relative Destabilisierung. Roland Koch,
Noch-Ministerpräsident von Hessen, hat mit seinem ausländerfeindlichen,
reaktionären und antikommunistischen Wahlkampf eine dicke Niederlage
und schallende Ohrfeige eingesteckt.
Und ausgerechnet in dieser Situation rasant schwindenden Vertrauens
in die bürgerlichen Politiker wird von Seiten der reformistischen
Gewerkschaftsführer auf die Zusammenarbeit mit der CDU-Landesregierung
und Verzichtsangebote an das Nokia-Management orientiert. Woher soll
die Belegschaft die 15 Millionen Euro nehmen, die dem Management als
"Kostensenkung" angeboten werden? Auf dem Sparbuch hat die niemand und
auf eine solche Lohnsumme können die Beschäftigten und ihre Familien
auch nicht verzichten. Wie viele Arbeitsplätze müssen dafür über die
Klinge springen?
Die Düsseldorfer Landesregierung fordert jetzt mit
41 Millionen Euro einen Teil der unverschämt kassierten Subventionen
zurück. Die Arbeitsplätze werden damit aber nicht erhalten. In den
Medien wird bereits spekuliert, dass so nur der Preis für Sozialplan
und Werksschließung erhöht werden soll.
Die Belegschaft wird in der Zwischenzeit vertröstet und zum Arbeiten geschickt. "Wir machen das schon für euch", das ist die Botschaft der reformistischen Gewerkschaftsspitze, der Betriebsratsvorsitzenden und des IGM-Beauftragten Harald Dix. Ein eventueller Streik wird in die Zukunft vertagt.
Wenn überhaupt, soll um einen so genannten "Sozialtarifvertrag" gestreikt werden. Was hat es damit auf sich? Ein Streik um Arbeitsplätze ist in Deutschland rechtlich nicht vorgesehen. Die Gewerkschaftsführung hat mit dem Ziel eines "Sozialtarifvertrags" eine Taktik entwickelt, dies scheinbar zu umgehen. Immer wieder wurde betont, man wolle so die Kosten für die Werksschließung so hoch treiben, dass darauf verzichtet würde. Aber am Ende dieses Weges stand in der Vergangenheit immer die Schließung: bei BenQ, bei BSH in Berlin und bei Infineon in München. Selbst bei AEG in Nürnberg, wo die Belegschaft 46 Tage streikte. Am Ende waren alle Arbeitsplätze weg und fehlten nicht zuletzt für die Jugend. Die Abfindungen werden inzwischen voll versteuert und beim Arbeitslosengeld II als Vermögen angerechnet. Dieser Weg führt unvermeidlich in die Sackgasse!
Der Weg der Arbeiteroffensive ist der einzig erfolgversprechende
Den
Weg der Arbeiteroffensive gehen bedeutet ein wichtiges Signal zu setzen
für die Arbeiterinnen und Arbeiter in ganz Europa, die vor ähnlichen
Fragen und Problemen stehen. In die Offensive gehen heißt:
• Den Kampf um die Arbeitsplätze bei Nokia nach Möglichkeiten
ausweiten und verbinden mit den Warnstreiks und Streiks der Stahl- und
Ver.di-Tarifrunde, mit anderen Belegschaften, die um ihre Arbeitsplätze
kämpfen, mit den Kämpfen der Arbeiter in Deutschland, Europa und
international, rund um die Welt!
• Den Kampf um die Arbeitsplätze
mit politischen Forderungen nach einem vollständigen und allseitigen
gesetzlichen Streikrecht verbinden.
• Die Gewerkschaften als
Kampforganisationen stärken, gewerkschaftliche Initiativen fördern und
entwickeln. Gegebenenfalls aber auch den gewerkschaftlichen Rahmen
durchbrechen und selbständig streiken, gestützt auf die Bevölkerung und
bundesweite Solidarität
• Sich frei zu machen von der Denkweise der
Monopolkapitalisten und ihren bürgerlichen Politikern. Warum sollen sie
durch die Ausbeutung unsrer Arbeitskraft eigentlich Maximalprofit
machen dürfen? Die proletarische Denkweise geht strikt von den
Interessen der Arbeiterklasse und ihren Familien aus. Sie kämpft um die
gesellschaftliche Alternative des Sozialismus.
Gegen einen
selbständigen Streik wird immer wieder eingewendet, dass man ihn nicht
lange durchhalten könne, weil die Gewerkschaft kein Streikgeld zahlen
kann. Kolleginnen, die bei AEG 46 Tage streikten, berichten: "So
groß, wie die Solidarität war, hätten wir das geschafft - gestützt auf
alle Arbeiter und ihre Familien. 46 Tage hat uns die Bevölkerung mit
Essen und Brennstoff versorgt. Was wäre erst gewesen, wenn in ganz
Deutschland Spenden für den Streik gesammelt worden wären. Die Zeit ist
heute noch reifer für so etwas." Und sie haben Recht.
Dieser Weg passt dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden von AEG Nürnberg, Harald Dix, offenbar nicht in das Konzept, das er als Sonderbeauftragter des IGM-Vorstands für Nokia verfolgt. Am schlimmsten findet er, dass die MLPD "für den selbständigen Streik eintrete, weil sie die Zeit für den Sozialismus gekommen sieht". Das ist auch nicht verwunderlich bei einem Mann, der auf eine Karriere bei der SPD setzt und seine Zukunft im Kapitalismus sieht.
Zeigt das menschenfeindliche Diktat der Nokia-Bosse nicht, dass die
Zeit reif ist für eine andere Gesellschaft, in der der Mensch im
Mittelpunkt steht? Darüber wird zwar nicht im Kampf um die
Arbeitsplätze bei Nokia entschieden, aber die Auseinandersetzung um den
Sozialismus steht heute umso drängender auf der Tagesordnung.
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