Nokia: Auf zur Großdemonstration – die Schließung muss vom Tisch!

20.01.08 - "Seit einer Woche wird in ganz Deutschland über die Schließung des Bochumer Nokia Werkes diskutiert. Wer bisher noch Zweifel hatte, in einer kapitalistischen Gesellschaft zu leben, wird eines Besseren belehrt. Nokia will seine Weltmarktführerschaft um jeden Preis verteidigen, für die Würde und Rechte der Arbeiter ist dabei kein Platz. Selbst ein hochrentables Werk wird dafür geschlossen. Egal, ob rote oder schwarze Zahlen: Die Arbeiter können sich nicht zum Spielball dieser Profithaie machen." So beginnt das aktuelle Flugblatt der MLPD, das morgen in ganz Deutschland in und vor vielen Betrieben und auf der Straße breit zur Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen von Nokia aufruft. Weiter heißt es darin:
Nokia: Auf zur Großdemonstration – die Schließung muss vom Tisch!

Protestkundgebung am 16. 1. 2008 bei Nokia/Bochum

"Aus ganz Deutschland und dem Ausland kommen Sympathie und Solidarität für die um ihre Arbeitsplätze kämpfenden Kolleginnen und Kollegen bei Nokia. Tausende wollen zur Protestdemonstration am Dienstag, den 22. Januar nach Bochum kommen. Bei Opel will die Frühschicht die Bänder abstellen und zur Demonstration gehen. Die Spätschicht beteiligt sich ebenfalls. Das ist genau richtig. Höchste Zeit, dass das Revier wie 2004 beim Opel-Aktionstag geschlossen den Arbeitsplatzvernichtern und Ausbeutern die rote Karte zeigt. Zugeständnisse erpressen und dann doch Arbeitsplätze vernichten, das kennen Hunderttausende im Ruhrgebiet und ganz Deutschland. Auch Schulklassen, Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Selbständige, Familien und Angehörige gehören auf die Demonstration. Ob Nokia ohne einen ernsthaften Kampf aufgegeben wird - das ist bedeutsam für alle! Die MLPD wirbt in ganz NRW für die breiteste Teilnahme an dieser Demonstration und unterstützt den Gedanken der Solidaritätsstreiks. Die IG Metall als Kampforganisation muss gestärkt werden!
Immer wieder hört man, dass trotz Schließungsbeschluss im Nokia-Werk in Bochum gearbeitet würde. Das stimmt nicht! Statt wie normal Zehntausende Handys liefen am 17. Januar gerade einmal 1.300 vom Band. Von normaler Arbeit kann keine Rede sein - "Bummelstreik" und überall Diskussionen, wie es weitergehen soll.

Doch einige Ratschläge, wie der Kampf geführt werden soll, sind äußerst zweifelhafter Natur:
• "Nokia-Produkte sollen boykotiert werden", wird gepredigt. Sollen wir stattdessen Siemens/BenQ-Telefone holen, die das Werk im Kamp-Lintfort geschlossen haben oder lieber Motorolas, die in Flensburg dichtgemacht haben?
• Ausgerechnet jetzt geben zweifelhafte Freunde die Parole aus, ruhig weiter zu arbeiten und die Verhandlungen nicht zu stören. Wie lange sollen die Kolleginnen und Kollegen warten? Bis die Produktion in Rumänien endgültig läuft und Nokia nicht mehr auf die Handys aus Bochum angewiesen ist?
• SPD- und Gewerkschaftsfunktionäre wettern gegen einen Streik und die MLPD. Die Opel-Beschäftigten erinnern sich noch gut daran, wie die komplette SPD-Spitze 2004 gegen den Streik gehetzt hat. Nur: ohne diesen Streik gäbe es Opel Bochum nicht mehr.
• "Wer jetzt streikt, gefährdet seine Abfindung" - damit wird Druck gemacht. Das zeigt vor allem die Angst vor einem Streik. Und, dass bereits über Abfindungshöhen beraten und der Kampf um alle Arbeitsplätze schon aufgegeben wird. Auf der gleichen Kapitulationslinie liegt das Argument, dann soll es wenigstens "die teuerste Werksschließung, die NRW je erlebt hat", werden.
• "Die Nokia-Beschäftigten sollen sich auf die Regierung verlassen". Wie bitte? Es waren doch diese Regierungen in Berlin und Düsseldorf, auf deren Mist die ganze Politik der Subventionierung der Unternehmerprofite gewachsen sind. Es sind die Rüttgers und Co., die selbst tausende Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst vernichten. Sollen das plötzlich die Fachleute für den Kampf um jeden Arbeitsplatz sein?
Jetzt ist der Zeitpunkt, wo Nokia in Bochum noch hunderttausende Handys produzieren will und muss. Ein unbefristeter Streik ist jetzt das Mittel der Wahl. Er hätte die volle Solidarität der gesamten Arbeiterklasse und der breiten Massen. Je früher er eingesetzt wird, desto größer die Aussicht auf Erfolg. Rücksicht ist wohl das Letzte, was die Nokia-Bosse verdient haben.
Die Nokia-Kollegen müssen selbst entscheiden!
Betriebsräte und Gewerkschafter, wie die Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach, warnen davor, mit der MLPD zu sprechen oder sich mit den kampferfahrenen Opelanern auszutauschen. Versammlungen wurden eigens ins Werk verlegt, damit sie von Solidarität und dem offenen Meinungsaustausch abgeschnitten sind. Kollegen berichten, wie auf Info-Stunden über die MLPD gehetzt wird. Sind wir hier im Stasi-Land? Wer die Diskussion scheut, der zeigt vor allem, wie schwach seine Argumente sind. Leute die bereits 2001 an Betriebsvereinbarungen zu Arbeitsplatzvernichtung beteiligt waren, haben allen Grund, die offene Diskussion zu verhindern. Ihr Weg führt in die Sackgasse und deshalb soll die Diskussion über Alternativen unterbunden werden. Nicht die MLPD will den Kolleginnen und Kollegen etwas aufzwingen, sondern Nokia und offenbar auch so mancher (SPD)-Funktionär.

Kommt alle zur Demonstration! Bringt Arbeitskollegen, Freunde, Nachbarn, die ganze Familie und Kinder mit! Solidaritätsaktionen bis hin zu Streiks sind das Gebot der Stunde!"


Das Flugblatt kann als pdf-Datei hier heruntergeladen werden.

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