Begeisternde Veranstaltung der MLPD zum 20. Jahrestag des Arbeitskampfs in Rheinhausen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Rede des Parteivorsitzenden der MLPD, Stefan Engel.
Er breitete eine lebendiges Bild der damaligen Situation und Entwicklung des Arbeitskampfs vor den Besuchern aus. Ein Kernsatz seiner Rede war:
Ohne die prägende und organisierende Rolle der MLPD und ihrer Betriebsgruppe
hätte es diesen Kampf so nicht gegeben! Deshalb gehört auch das Feiern
des 20. Jahrestag des Kampfs von Rheinhausen aufs Engste mit dem 25-jährigen Jubiläum der MLPD zusammen.
Detailliert berichtete Stefan Engel, wie die Betriebsgruppe der MLPD
den Stahlarbeitern seit den 1970er Jahren in geduldiger Kleinarbeit
half, sich auf eine solche Situation vorzubereiten und insbesondere die
Erfahrungen aus anderen Kämpfen dafür richtig zu verarbeiten. Er
entlarvte das Märchen, dass die reformistische Betriebsratsspitze bei Krupp um den damaligen Betriebsratsvorsitzenden Manfred Bruckschen den Streik angeblich gewollt hätte. Sie hatte im Gegenteil alles getan, um diesen Streik zu vermeiden.
Ihre
Orientierung auf ein Gegenkonzept zur Schließung musste jedoch
scheitern, weil das Rheinhausener Stahlwerk der geplanten
Neuorganisation der deutschen Stahlindustrie für den internationalen
Konkurrenzkampf im Weg stand. Von Anfang hatte die MLPD den Kollegen
geholfen, mit solchen Illusionen fertig zu werden und selbst die
richtigen Entscheidungen zu treffen. So war das Scheitern des reformistischen Konzepts schließlich eine wesentliche Voraussetzung, die den Weg für die Entscheidung der Kruppianer zum selbständigen Streik im April 1988 frei machte.
Im Mittelpunkt der Rede von Stefan Engel standen die Schlussfolgerungen, die für heute und die Zukunft daraus zu ziehen sind:
Ein solcher Streik muss lange vorher mit überzeugenden Argumenten vorbereitet werden. Das leistete die Betriebsgruppe der MLPD unter anderem durch ihre Mitarbeit an der Betriebszeitung "Heißes Eisen", die während des Kampfs zur richtigen Streikzeitung der Kollegen wurde.
Stefan Engel arbeitete heraus, dass es bei einem solchen Kampf in jeder Situation darauf ankommt, die Initiative zu behalten. Dafür ist ein positives Programm
für den Streik unabdingbar, denn wenn die Belegschaft sich auf die
Abwehr der Angriffe beschränkt, kommt sie über das Reagieren nicht
hinaus. Kritisch-selbstkritisch wertete er auch die Schwächen des selbständigen Streiks aus, dass es nicht gelungen war, sofort eine Streikleitung zu wählen und eine umfassende Streikorganisation
mit eingeteilten Streikschichten usw. zu bilden. Das erleichterte auch
das Abwürgen des Streiks mit einer manipulierten "Betriebsversammlung"
durch die Betriebsratsspitze.
Durch die gründliche Auswertung und Verarbeitung dieser Erfahrungen wurde Rheinhausen zur Basis vieler weiterer Kämpfe,
sei es bei Opel in Bochum, bei Daimler in Stuttgart oder im Bergbau.
Nicht zuletzt auch durch Kollegen aus Rheinhausen, die dort
Ersatzarbeitsplätze gefunden hatten, und unmittelbar daran beteiligt
waren.
In der anschließenden lebendigen Diskussion wurden wichtige Seiten ergänzt. Teilnehmer des Streiks berichteten von Erfahrungen, die man sein ganzes Leben nicht vergisst: von der notwendigen Überwindung aller Bedenken, den Streik nach Verkündung der Werksschließung als erste Schicht zu beginnen; von dem überwältigenden Anblick der auf die bereits von der Nachtschicht besetzten Rheinbrücke strömenden Frühschicht; von der Rolle der Frauen, die sich sich selbst organisierten und oftmals einen entscheidende Rolle spielten, wenn es darum ging nach vorne zu gehen; oder von der internationalen Verbreitung der Lehren aus Rheinhausen, die selbst im fernen Argentinien von Marxisten-Leninisten und Arbeitern intensiv studiert und zur Höherentwicklung der eigenen Kämpfe verarbeitet wurden.
Ein Kulturprogramm mit vom "Ruhrchor" vorgetragenen Streikliedern aus Rheinhausen, dem gemeinsamen Singen der "Internationale" und Tanzmusik der Gruppe "Fresh Game" rundete das Bild der Veranstaltung ab, von der viele Besucher mit dem Eindruck eines weiteren gelungenen Höhepunkts der Feierlichkeiten zu "25 Jahre MLPD" nach Hause fuhren.
