Zechensiedlung Rheinpreußen - ein Geschichtsunterricht anderer Art
Die Veranstalter von "Kumpel für AUF" begrüßten neben ausländischen Gästen aus Lateinamerika, Kasachstan und Südafrika auch hiesige Urgesteine. Unter anderem Maria Milan, die vor 86 Jahren einige Häuser weiter in der Mauerstraße geboren wurde und bis heute ununterbrochen in der Siedlung lebt. Unvergessen für die damaligen Aktivisten des Kampfes gegen den geplanten Totalabriss der Siedlung war ihre Rede Ende der 1970er Jahre im Rathaus, wo sie den bürgerlichen Politikern die Leviten gelesen hatte.
Die rüstige Frau berichtete, wie sie ganz schönen Bammel vor diesem Auftritt hatte, der für sie überraschend kam. Aber sie hat gewusst, sie müsse es tun, weil es notwendig war. Unter den Besuchern wurde auch der Kulturhistoriker Professor Roland Günter ausgemacht. Er hatte seit den 1970er Jahren bis in unsere Tage zahlreiche Initiativen für den Erhalt von Arbeitersiedlungen beraten.
Frank Baier inszenierte in seinen Liedern, die in den Kämpfen um Rheinpreußen entstanden sind, ein lebendiges Bild von einem bedeutenden Teil der Bergarbeiterbewegung: Als die Frauen aus der Siedlung die Baggerschaufeln besetzten und sich mutig der anrückenden Polizei entgegenstellten und als die Zechensiedler ihre Sache in die eigene Hand nahmen. Als sie eine eigene Zeitung herausgaben und eine Genossenschaft gründeten, die auch noch heute das Zusammenleben vieler Bewohner "über den Gartenzaun hinweg" organisiert.
Nach dem Konzert lud Frank Baier die Besucher zu einem Spaziergang ein und rund 50 Leute drängelten sich dann in sein kleines Zechenhäuschen, um einen Blick ins liebevoll eingerichtete Innere zu erhaschen. Seine Wohnung strahlt Bergarbeitergeschichte aus. Nach dem anschließenden Mittagessen mit wahlweise Kartoffel- oder Erbsensuppe mit Würstchen klang ein früher Nachmittag mit "Bergarbeiterkultur live" aus.
