Solierklärung der Montagsdemo an die Nokia Belegschaft
An alle Kolleginnen und Kollegen des NOKIA Werkes Bochum
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit Wut und Entsetzen haben wir von dem arroganten Beschluss der Nokia-Konzernleitung gehört, dreieinhalbtausend Beschäftigte und ihre Familien und weitere Tausend bei Zulieferern auf die Halde der Massenarbeitslosigkeit zu werfen! Im wahrsten Sinne wie ausgepresste Zitronen; denn allein im 3. Quartal des vergangenen Jahres stieg der Gewinn aus Eurer Arbeitskraft für Nokia um 69 Prozent an.
Euer massivster Widerstand gegen die Schließung ist berechtigt.
Kampf um jeden Arbeitsplatz auf Kosten der Nokia-Profite!
Die Nokia-Bosse versprechen sich nun, Eure Kolleginnen und Kollegen in Rumänien und Ungarn noch härter ausbeuten zu können. Es sind nicht die niedrigeren Löhne dort, sondern in erster Linie die Subventionen für die Neuerrichtung eines kompletten Werks auf noch modernerer technischer Grundlage.
Mit Erstaunen erfahren wir, dass „unser“ Ministerpräsident Rüttgers den Nokia-Bossen „Eure Bereitschaft“ zusichert, in Bochum ein "Kostenniveau wie in Ungarn" zu verwirklichen! Wer gab diesem Mann das Mandat, Eure Lebenssituation so offen zur Disposition zu stellen?
"Die Politiker können doch nicht zulassen, dass ganz Deutschland zum Armenhaus wird!" - so wird eine Kollegin von Nokia in der Presse zitiert.
Unsere Erfahrung als Montagsdemonstranten, die nun im 4. Jahr ihres wöchentlichen Widerstands stehen, ist eindeutig: Sie können. Seit Einführung der Hartz-Gesetze und deren weiterer Verschärfung durch die jeweils Regierenden hat sich die offizielle Armut in Deutschland von 1,3 auf fast 3 Millionen Menschen mehr als verdoppelt.
Lasst euch deshalb nicht mit Sozialplänen und Beschäftigungsgesellschaften abspeisen. Verteidigt Eure Arbeitsplätze für Euch und eure Kinder.
Es führt kein Weg am Kampf vorbei. Wie dieser geführt wird, ob, wann und wie lange gestreikt wird, darüber entscheidet kein Politiker, darüber entscheidet Ihr allein.
Unsere aufrichtige Solidarität habt Ihr!
Einstimmig verabschiedet auf der 178. Duisburger Montagsdemonstration
am 21. Januar 2008
