Bericht von der 213. Montagsdemo
Jürgen
Christian Brandt (SPD) möchte im nächsten Jahr zur Wahl zum
Oberbürgermeister in Duisburg kandidieren. Er gilt als einer der
Befürworter des DU-Passes und war der Meinung, dass der Rat der Stadt
Duisburg gut beraten gewesen wäre, die berechtigten Forderungen von
über 9.000 Bürgern nicht so einfach abzuschmettern. Hartmut Pietsch
(SPD) bedauerte, dass viele im Rat der Stadt nichts mit dem Thema
„DU-Pass“ zu tun haben möchten. Die Stadt gäbe jedes Jahr 2 Millionen €
aus, andere Projekte stehen jedoch vor. Pietsch und Brandt betonten,
dass sie damit nicht einverstanden seien. Auch in Dortmund und in Köln
träte die SPD für ein Sozialticket ein. Und das müsste
selbstverständlich auch für Duisburg gelten.
Ärgerlich seien die
Zustände bei der ARGE. Auch der DGB bemängelte, dass es immer länger
dauere, um Hilfe von der ARGE zu bekommen. Man solle aber nicht die
Mitarbeiter der ARGE dafür verantwortlich machen, sondern die Leitung
dieser Behörde. Brandt erklärte dass er kandidieren möchte, für das Amt
des Oberbürgermeisters im nächsten Jahr. Der amtierende OB Adolf
Sauerland (CDU) sei Träger der ARGE. Er hätte seine Aufgaben zuwenig
wahrgenommen. Jeder OB müsste sich dafür einsetzen, dass neue
Arbeitsstellen geschaffen würden. Derzeit leben etwa 490.000 Menschen
in Duisburg, es gäbe jedoch nur etwa 160.000
sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Und es müsste das Ziel
eines jeden OB’s sein, diese Zahl zu erhöhen. Immerhin soll die ARGE
versuchen, etwa 700 entgeltpflichtige sozialversicherungspflichtige
Stellen in Duisburg zu schaffen und damit einen zweiten Arbeitsmarkt
aufmachen.
Hartz IV habe für schlechtere Bedingungen gesorgt als bei
der alten Sozialhilfe. Arbeitslose werden durch 1€-Jobs unter Druck
gesetzt. Durch ständige Mietkürzungen drohen Zwangsumzüge. Ottmar
Schreiner (SPD) habe in einem Papier mitgeteilt, dass die 1 €-Jobs
abgeschafft werden müssten, da sie von entscheidender Bedeutung für die
Armutsverhältnisse in Deuschland seien. Bei 50.000 Betroffenen in
Duisburg kommen monatlich 4.500 Menschen in den zweifelhaften Genuss
einen 1€-Job annehmen zu müssen, die nicht sozialversicherungspflichtig
sind.
Wir von der Montagsdemo sind der Meinung: Zwangsumzüge und 1
€-Jobs sind aus diesem Grunde abzuschaffen. Die Praktiken der ARGE
gehen dahin, dass die Beträge einfach gekürzt werden, um einen
Zwangsumzug zu erwirken. Wird keine entsprechende Wohnung gefunden,
droht ebenfalls eine Kürzung. So dieses perverse Verfahren.
Erreicht
werden sollen, dass die Löhne sinken, dass die Leiharbeit steigt und
die Zwangsarbeit durch ALGII-Empfänger. Eine Montagsdemonstrantin war
der Meinung, dass man generell auch für ein anderes Gesellschaftssystem
sich einsetzen müsse, dass dann nur der Sozialismus sein kann.
Bedauerlich
sei auch die Entwicklung in den Schulen. Das erste Schuljahr habe
begonnen und die Erstklässler bekämen ihre Erstausstattung. Man müsste
sich jedoch dafür schämen, dass viele Kinder mit ihren Eltern vor
kleinen Schaltern sich anstellen müssten, um diese Ausstattung auch zu
bekommen. Pietsch (als ehemaliger Schulleiter) setzt sich für die
Sozialhilfe nach altem Muster ein. Schulbücher dürften keine Almosen
sein. Die ARGE müsste dafür die Kosten übernehmen.
Zu hoffen wäre,
dass der Herr Brandt auch nach den Wahlen noch zum DU-Pass steht. Dass
er für die Abschaffung der Hartz-IV-Gesetze sich einsetzen wird, ist
nicht sehr wahrscheinlich. Schließlich sei er Kommunal-Politiker.
Schließlich hat sich die SPD auch bei der Ratssitzung beim DU-Pass der
Stimme enthalten.
Erfreulich war, dass der Ombudsmann der ARGE,
auch bei der Montagsdemo zugegen war. Er äußerte sich, dass der
Rot/Grüne-Entwurf der Hartz-IV-Gesetze deutlich sozialer wäre, als von
der anderen Seite. Die alternativen Entwürfe von Koch in Hessen (CDU)
seien deutlich schlechter. Er hätte ca. 100 Beratungsgespräche für
Betroffene bei der ARGE wahrgenommen. Manchmal wären die Fehler
eindeutig gewesen von der ARGE und dann hätte er auch Recht bekommen,
z. B. wenn jemand nur 128 € bekam, ohne je eine Sanktion erhalten zu
haben. Bei den Kosten der Unterkunft hätte er etwa 50 % der Betroffenen
helfen können.
Danach wurde Herrn Brandt noch eine Frage zur
Schließung der Zeche in Walsum gestellt. Als Ersatz wurde ein
STEAG-Kraftwerk gebaut. Die Zeche beschäftigte etwa 3.500 Menschen
(inkl. 500 Leiharbeiter). Das neue STEAG-Kraftwerk hätte jedoch nur
wenig neue Arbeitsplätze geschaffen. Herr Brandt äußerte sich dazu,
dass er sich darauf konzentriere, nur das zu tun, was er könne. 1989
wären in ähnlichem Ausmaß Arbeitsplätze in Rheinhausen weggefallen.
Damals hätte es einen Aufstand gegeben. Der damalíge OB wäre über das
Land NRW an den Bundeskanzler herangetreten, und dies hätte etwas
bewirkt. Nach der Schließung der Zeche in Walsum hätte es jedoch keinen
Aufstand gegeben. Den Menschen wäre jedoch nichts passiert. Allerdings
sind 3.000 Arbeitsplätze weggefallen. Im Juli 2007 hätte die SPD einen
Antrag gestellt, Gewerbeflächen einzurichten, um zukünftige
Arbeitsplätze zu schaffen. Der Vertrag wurde jedoch abgelehnt und der
jetzige OB Sauerland hätte sich nicht weiter darum bemüht, da er der
Meinung war, dass dort keine neuen Arbeitsplätze entstehen könnten. In
Kamp-Lintfort wäre dies anders gelaufen. Dort werden 2012 zwar auch
noch weitere Arbeitsplätze wegfallen, aber dort hätte man etwas getan.
Herr Brandt war der Meinung, das das STEAG-Kraftwerk zugelassen sein
müsse. Einige Demonstranten warfen ein, dass die Feinstaubbelastung
dadurch noch erheblich größer würde, zumal noch ein 2. Kraftwerk dort
gebaut werden sollte. Für ein 2. Kraftwerk würde Brandt sich jedoch
nicht mehr einsetzen. Ein Demonstrant warf ein, dass man sich doch
besser um eine Kreislaufwirtschaft bemühen sollte, da doch dadurch die
Umwelt weniger belastet würde und zusätzlich Arbeitsplätze entständen.
Es
wurde viel Unmut laut, als es um die Grundsicherung ging, für die ja
eigentlich die ARGE zuständig ist. Hartz IV jedoch führe eher zur
Altersarmut. Chronisch Kranke werden gezwungen, aus Häusern
auszuziehen, in denen sie jahrelang gewohnt haben. Eine Demonstrantin
beklagte sich, dass der Herr Luderer sie darauf angesprochen hätte, das
sie ja noch gut laufen könne und gut reden, da sie ja noch vor dem
Rathaus stehen könnte, um dort zu demonstrieren. Eine Demonstrantin
berichtete, dass ihr empfohlen worden sei, ihren Lebensstil
einzuschränken. Von den 351 € Grundsicherung hätte sie nur noch die
Hälfte. Sie kämpfe schon seit 3 Jahren um ihre Rechte. Sie wäre nicht
in der Lage, umzuziehen. Die ARGE beschimpft unbescholtene Ärzte,
Gefälligkeitsgutachten zu erstellen.
Hartmut Pietsch äußerte sich
noch einmal zum DU-Pass, für den er sich ja einsetzen möchte. Er
meinte, dass es ein Armutszeugnis der Stadt sei, diesen abzuschmettern,
nur wegen eines angeblichen Formfehlers, das ja eigentlich nur Quatsch
wäre. Auch die Privatisierung des Klinikums wurde durchgesetzt, da
angeblich zuwenig Unterschriften gesammelt wurden.
Allgemein war die
Auffassung, dass die Arbeit des Ombudsmannes weiterhin Unterstützung
erfahren müsse, da Duisburg die einzige Stadt wäre, die einen besäße.
Am 1. 10. hat die CDU Geld gestrichen für eine Beratungsstelle für Arbeitslose.
Der Sozialbericht 2007 ergab, dass 18-20 % (ca. 100.000 Menschen) an- oder unterhalb der Armutsgrenze leben würden.
Ein
Demonstrant ärgerte sich über die SPD als neo-liberale Heuchlerpartei.
Es käme zu immer mehr Polizei-Übergriffen. Daraufhin warf ihn Jürgen
Christian Brandt vor, nichts von der Geschichte gelernt zu haben. Was
ich allerdings persönlich nicht glaube, da es ja schließlich die SPD
und die Grünen waren, die Hartz IV eingeführt haben. Klar, viele
SPD-Mitglieder wurden in der Hitler-Diktatur bekämpft und wurden ins KZ
gesteckt.
Thema: Wochen-Rückblick
Hauptthema dieser
Woche war die schwere Finanzkrise. 35 Milliarden € müssen aufgebracht
werden, um die Hypo Real Estate Bank zu retten. Mit diesem Betrag
hätte gut und gerne die Grundsicherung der Hartz-IV-Empfänger
aufgestockt werden können. Bis zum Jahresende wird noch mit einer Summe
von 100 Milliarden € gerechnet, die uns die Finanzkrise kosten wird.
Wie dem auch sei, geht eine Bank oder ein Konzern pleite, dann ist
immer noch Geld vorhanden, um die Löcher zu stopfen. Hartz-IV-Empfänger
jedoch gehen leer aus. Immerhin sollen die Eltern nun 10 € mehr für ihr
erstes Kind bekommen, und für jedes weitere 16 € mehr. Bei einem
Hartz-IV-Empfänger wird dieses dann wieder mal mit aufgerechnet werden.
Die Krankenkassenbeiträge werden nächstes Jahr auf 15,5 % steigen, die
Arbeitslosenversicherung auf 2,8 % abgesenkt werden. Davon haben
Arbeitslose und Rentner mal wieder nichts von. Zusätzlich haben die
Krankenkassen noch das Recht Sonderbeiträge von 1 % zu erheben, wenn
auch der Beitrag von 15,5 % nicht ausreicht. Dies geschieht alles nach
dem Wunsch der Arbeitgeber, die Unternehmen werden mal wieder entlastet.
Die
USA müssen 700 Milliarden € berappen, um ihre Finazkrise zu meistern.
In Deutschland jedoch sei die Lage stabil, so die Meinung der
regierenden Politiker aus CDU und SPD. Allgemein jedoch wird damit
gerechnet, dass die Inflation steigt und die Bürger noch mehr enteignet
werden. Überall stehen die Immobilien leer. In den USA gehen die Leute
mittlerweile auf die Straße: „Hände weg, von unserem Geld!“.
Enttäuscht
ist man über die Justiz und die Sozialgerichte. Es herrscht eine große
Rechtsunsicherheit, die Widersprüche werden häufig von der ARGE nicht
anerkannt, ein Richter in Duisburg soll die Akten über einen Monat
liegen haben lassen.
In Düsseldorf tagte der Frauenpolitische
Ratschlag. Die Frauen berichteten von dem Elend in dieser Welt. In
vielen Ländern ist es noch Sitte, dass Frauen und Kinder durch ihre
Männer verprügelt werden können, und dabei noch straffrei ausgehen.
Von der Montagsdemo aus Potsdam wurden Grüße überbracht.
