Abschied von Bernd Janke
Liebe Duisburgerinnen und Duisburger,
Willkommen auf der 168. Montagsdemonstration.
168 Montagsdemonstrationen gegen ein Gesetz,
das täglich immer schlimmere Armut und Erniedrigung schafft, gegen Hartz IV!
Willkommen auf dieser denkwürdigen Montagsdemonstration.
Denn heute müssen wir Abschied nehmen von einem Mann,
der diese Montagsdemonstrationen
und mit ihnen die ganze Montagsdemonstrationsbewegung in Deutschland maßgeblich mit geprägt hat.
Abschied von Bernd Janke.
Mit ihm haben wir alle hier so oft die Zeilen gesungen:
Wer begriffen hat,
dass es drängt die Welt zu ändern,
der steh’ auf
und fasse Mut.
Lieber Bernd,
Kämpfer für eine neue Welt,
mitreißender Musiker,
Antifaschist,
Mitstreiter für eine lebenswerte Umwelt,
streitbarer, launiger, bissiger, witziger und liebenswerter
Moderater der Montagsdemonstration,
liebevoller Großvater,
alter Freund,
Genosse,
am Samstag, dem 3. November 2007 um 20:40 Uhr,
hast du uns für immer verlassen.
Mit 68 Jahren viel zu früh.
Wir nehmen dort Abschied von dir,
wo in den letzten 3 Jahren ein Mittelpunkt deines Lebens war,
auf der Montagsdemo.
Die Erwerbslosen in Duisburg verlieren mit dir einen unbeugsamen Helfer.
Mit etlichen von ihnen hast du unseren Verein „Erwerbslose helfen Erwerbslosen“, kurz: EhE, mitgegründet.
Gegründet unter deinem Motto:
„Wer keine Politik macht, mit dem wird Politik gemacht!“
Seit der Einführung von Hartz IV hast du als EhE-Mann
über 100 Hartz IV-Betroffene
zur ARGE, zur Agentur für Arbeit, zum Arbeitsgericht begleitet
und so manchen für den Widerstand auf der Straße gewonnen.
Und heute vor 3 Wochen standst du selbst vor Gericht.
Wegen „Hausfriedensbruch“.
Angeklagt von der städtischen Duisburger Verkehrsgesellschaft DVG.
Mit einer spontanen „Probefahrt-Aktion“
hattest du dich mit etlichen weiteren Montagsdemonstranten
für ein Sozialticket für die weit über 70.000 armen Menschen in Duisburg eingesetzt.
Deine angebliche Straftat trägt maßgeblich dazu bei,
dass die Einführung des DU-Passes von immer mehr Menschen gefordert
und von immer mehr Parteien und Gewerkschaften aufgegriffen
nun zu einer maßgeblichen kommunalpolitischen Angelegenheit wird.
Weil du nichts Unrechtes getan hast,
hast du die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße abgelehnt.
Abgelehnt zudem als Angriff auf die gesamte Montagsdemonstrationsbewegung.
Die zweite anberaumte Verhandlung wird nun nicht mehr stattfinden.
Lieber Bernd,
viele von uns hier Versammelten haben dich
in den 12 Tagen deines Todeskampfs begleitet.
Du starbst unter Freunden und mit Deiner Musik,
die wir am Sterbebett von Deiner CD abspielten.
„Ein schönes, liebevoll begleitetes Sterben“
– so die freundliche Nachtschwester, die dich pflegte.
Und doch kommt jetzt in tiefer Trauer ein Gefühl der Leere in uns auf.
Obwohl wir wissen: Der Tod gehört zum Leben wie das Leben zum Tod.
Geht einer von uns, so geht doch unser aller Leben weiter.
Aber so mancher Einzelne hinterlässt der Gesamtheit Unauslöschbares
Und existiert auf diese Weise fort.
Du, lieber Bernd, bist so einer.
Und deshalb fehlst du uns so sehr.
Du bist unauslöschbar in unseren Herzen.
Liebe Freunde,
Lasst uns an Bernd denken
Und dazu eine Minute schweigen.
