Tarifrunden 2008 im Geist der Arbeiteroffensive führen - Der Kapitalismus gehört an den Pranger
Das
Motiv, sich an Warnstreiks zu beteiligen, geht weit über
Lohnforderungen hinaus. Die unerträgliche Arbeitshetze wegen
Unterbesetzung, Ausdehnung der Arbeitszeiten, Lohndrückerei in Folge
der Hartzgesetze und verstärktem Einsatz von Leiharbeit, die Folgen der
Privatisierung im öffentlichen Dienst, die Rente mit 67 – das alles hat
Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse der Arbeiter und ihrer
Familien. Hier sind viele Rechnungen offen. Und immer stärker rückt die
grundsätzliche Debatte der Kritik am Kapitalismus und der Suche nach
einer gesellschaftlichen Alternative ins Zentrum. Eine gute
Ausgangslage, um gemeinsam und offensiv zu kämpfen.
Regierung
und Konzernchefs sind in der Defensive. In Hessen und Niedersachsen
haben die Regierungsparteien drastisch Stimmen verloren. Spitzenmanager
wie Klaus Zumwinkel bunkern Millionen Euro an der Steuer vorbei in
Liechtenstein. Die Bundesregierung macht für die IKB-Bank in einer
Nacht mal eben 1,5 Milliarden Euro locker und schiebt Konzernen wie
Nokia zig Millionen an Subventionen zu. Gleichzeitig wird den Kollegen
des öffentlichen Dienstes ein „Angebot“ gemacht, das bei einer Laufzeit
von 24 Monaten und verbunden mit Arbeitszeitverlängerung auf 40 Stunden
auf eine Nullrunde über Jahre hinausläuft.
In der
Stahlindustrie soll der Abschluss bei 5,2 Prozent liegen – für 14
Monate, dazu eine Einmalzahlung von 200 Euro für Februar sowie eine
Erhöhung der Ausbildungsvergütung von 70 Euro. Das wäre der höchste
Abschluss in der Stahlindustrie seit 15 Jahren. „Bei der derzeitigen
Vollauslastung der Betriebe hätte ein Streik verheerende
volkswirtschaftliche Folgen gehabt.“ So Helmut Koch, Verhandlungsführer
der Stahlkapitalisten. Es zeigt vor allem die nackte Angst der
Stahl-Bosse. Sie wollten unter allen Umständen einen flächendeckenden
Streik vermeiden, der auf die gesamte stahlverarbeitende Industrie
übergegriffen und nach kurzer Zeit weite Teile stillgelegt hätte. Das
Knieschlottern vor dem Streik zeigt doch nur, welche Trümpfe wir im
Kampf ausspielen können. Im gemeinsamen Kampf über die Branchen hinweg
kann die Arbeiterklasse ihre Kraft erkennen.
Dass die
IGM-Führung sich auf einen Abschluss einlassen will, ohne die
gewerkschaftliche Kampfkraft voll eingesetzt zu haben, macht
offensichtlich, dass ihnen die Verbundenheit mit diesem
kapitalistischen System und der Regierungsbeteiligung der SPD wichtiger
ist als die Arbeiterinteressen.
In die Arbeiteroffensive zu gehen bedeutet:
•Über
die Branchengrenzen hinweg gemeinsam in die Offensive gehen. Breite
Diskussion und demokratische Abstimmung unter den
Gewerkschaftsmitgliedern in der Stahlindustrie.
•Die Bevölkerung
breit einbeziehen und mit dem Kampf gegen die arbeiterfeindlichen und
volksfeindlichen Gesetze der Regierung verbinden. Weg mit Hartz IV und
der Rente mit 67!
•Nicht nur die Verlängerung der Arbeitszeit
durch die „öffentlichen Dienstherren“ abwehren, sondern mit der
Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in die
Offensive gehen.
•Die Hinhaltetaktik durchkreuzen – Urabstimmung
und Vollstreik. Die Initiative ergreifen, für den vollen Einsatz der
gewerkschaftlichen Kampfkraft. Offensive Kampfführung ohne
„Vorwarnung“, mit optimaler Wirkung.
•Sich das Recht auf Streik
nehmen und damit verbinden, ein vollständiges und allseitiges
gesetzliches Streikrecht zu erkämpfen. Einbeziehung von Beamten,
Jugendlichen. Das bedeutet auch, gegebenenfalls den gewerkschaftlichen
Rahmen zu durchbrechen und zu selbständigen Kämpfen überzugehen.
•Nicht
wir sind auf die Herrschenden, sondern diese auf uns angewiesen. Das
Selbstvertrauen entwickeln, dass die Perspektive der Menschheit in
einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, dem echten Sozialismus,
liegt.
Sich besser organisieren. Wer noch nicht Mitglied ist,
sollte sich jetzt gewerkschaftlich organisieren und für Gewerkschaften
als Kampforganisationen eintreten. Um die Arbeiteroffensive
voranzutreiben, muss der Kampf um Tagesforderungen offensiv geführt,
müssen Einzelkämpfe zu Massenkämpfen zusammengefasst und auch zu
selbständigen Kämpfen für wirtschaftliche und politische Forderungen
höher entwickelt werden. Dazu braucht die Arbeiterschaft eine
revolutionäre Arbeiterpartei. Stärkt die MLPD!
Das Flugblatt kann als pdf-Datei heruntergeladen werden.
