"Streikbereitschaft setzt Regierung unter Druck"
Seit Mittwoch, den 5. März, streiken die Berliner Verkehrsbetriebe
(BVG) unbefristet für 8 Prozent
bzw. 12 Prozent mehr Lohn. Mit
überwältigender Mehrheit von fast
97 Prozent haben die Gewerkschaftsmitglieder
für Streik gegen
den SPD/Linkspartei-Senat gestimmt.
Und sie haben die große
Sympathie der Berliner Bevölkerung:
In Umfragen sprachen drei
von vier Befragten ihr Verständnis
für den Streik aus.
Die GDL hatte ab dem 10. März unbefristete
Streiks im Nah-, Güter und
Personenverkehr der Deutschen
Bahn (DB) angekündigt. Allein
schon die Ankündigung zeigte
Wirkung. Am Wochenende nahm
Bahnchef Hartmut Mehdorn seine
monatelange provokative Unterschriftenverweigerung
für den eigenständigen
Tarifvertrag der Lokführer
kurzfristig zurück.
Im öffentlichen Dienst haben sich
von Mitte Februar bis Anfang März
430.000 Kolleginnen und Kollegen
an zwei machtvollen Warnstreikwellen
beteiligt für 8 Prozent mehr
Lohn, mindestens 200 Euro. Sie zeigen
ihre große Kampfentschlossenheit
und Kompromisslosigkeit, ist
doch das so genannte "Angebot" der
öffentlichen
Dienstherren
eine einzige
Provokation.
Fünf Prozent
Reallohnerhöhung
über zwei
Jahre bei
gleichzeitiger
Arbeitszeitverlängerung
ohne
Lohnausgleich
bedeutet
faktisch zwei
Nullrunden.
Dabei steigen
Preise, Gebühren
usw. beschleunigt. Die Verlängerung
der Arbeitszeit auf 40 Stunden
würde weitere Zehntausende
Arbeitsplätze vernichten. Inzwischen
wurde in der Tarifauseinandersetzung
die Schlichtung beantragt,
in der es der Gewerkschaft
untersagt wird, zu streiken. Ohne
konsequenten Streik wird sich aber
bei den Verhandlungen nichts im
Sinne der Beschäftigten bewegen
und diese wollen jetzt streiken. Das
unterstreicht, wie dringend es ist,
ein allseitiges und vollständiges gesetzliches
Streikrecht in Deutschland
zu fordern, es sich zu nehmen
und durchzusetzen.
Erstmals in der Geschichte
Deutschlands wurden auch zehn
Flughäfen bestreikt, wodurch 435
Flüge ausfielen. Gleichzeitig wurde
der Bahnverkehr bestreikt, streiken
Polizisten, Angestellte der ARGE
usw. Damit beteiligten sich neue Be-
reiche an Streiks, die bisher in
Deutschland als "Tabubereiche" zählten. Als Schnittstellen in Logistik
und Transport haben Streiks
dort sofort eine Flächenwirkung.
Insbesondere mit gezielten, unangekündigten
Streiks kann hier eine
große Wirkung erzielt werden.
Angesichts der Streiks und der anhaltend
hohen Streikbereitschaft
meldete sich Kanzlerin Angela Merkel
zu Wort: in der Reihe "Ziel müsse sein, dass
die Bürgerinnen und Bürger möglichst
wenig in ihrem täglichen Leben
beeinflusst werden." Dabei ist es
doch ihre volksfeindliche Politik, die
fortlaufend negativ in das Leben
der Massen eingreift: durch "Rente
mit 67", Mehrwertsteuererhöhung
bei gleichzeitiger Unternehmersteuersenkung,
durch Privatisierung
immer weiterer Bereiche des
öffentlichen Lebens und nicht zuletzt
mit Agenda 2010 und den
Hartz-Gesetzen. Ihre Politik ist es,
die zu wachsender Kinderarmut
und Niedrigstlöhnen auf breiter
Front führt. Die Streiks richten sich
gerade nicht gegen die Lebensbedürfnisse
der Massen - im Gegenteil.
Dabei ist die Kanzlerin auch
an der Tarifrunde keineswegs unbeteiligt.
Als Chef der Regierung ist
sie "öffentlicher Dienstherr" und
damit Streikgegner.
Merkels schlimmster Albtraum besteht
darin, dass - unterstützt von
der MLPD - wachsende Massenkritik
am Kapitalismus und wachsende
Kampfentschlossenheit in
die Arbeiteroffensive übergehen
und dabei auch die Regierungspolitik
ins Visier nehmen.
Es ist genau richtig, in Verbindung
mit der Tarifrunde politisch gegen
Staat und Monopole in die Offensive
zu gehen:
Weg mit Hartz IV
und der Rente mit 67.
Statt Arbeitszeitverlängerung
- Kampf
der Massenarbeitslosigkeit
auf Kosten
der Profite - für die
Durchsetzung der
30-Stunden-Woche
bei vollem Lohnausgleich.
Die Situation ist
günstig. In den bürgerlichen Parteien
herrscht angesichts des unbestreitbaren
Linkstrends Tohuwabohu.
Die SPD steckt in einer tiefen offenen
Krise, weil sich insbesondere
die Arbeiterschaft von der SPD abwendet.
Die Tendenz der politischen
Destabilisierung setzt sich fort. Den
Predigern des Kapitalismus gehen
die Argumente aus: Noch nie wurde
in Deutschland so viel Kapital
angehäuft, noch nie so viel produziert
und noch nie waren die Gewinne
für wenige so hoch wie heute.
In manchen rechten Medien wird
die Linkspartei zum "Schreckgespenst" stilisiert.
Dabei kommt
der Linkstrend nur
zum geringeren Teil in
den Stimmen der
Linkspartei zum Ausdruck.
Er zeigt sich
noch mehr in der
wachsenden Wahlenthaltung
und vor allem
in der Suche nach einer
gesellschaftlichen Perspektive:
wachsende
Offenheit für den echten
Sozialismus und zunehmender
Kampfwillen in der Arbeiterschaft
und den breiten Massen.
Grundlage der Hektik in Berlin und
der Parteienkrise der SPD ist die
Angst, dass die Arbeiterklasse ihre
große Kraft erkennt und das Selbstbewusstsein
und die Kampferfahrung
entwickelt, um sich gegen Regierung
und Konzerne durchzusetzen.
Angst vor einer Arbeiterklasse,
in der die Erkenntnis reift, dass sie
dem Übel der kapitalistischen Gesellschaft
an die Wurzel gehen und
für eine sozialistische Gesellschaft
eintreten muss. Für diesen Weg
steht die MLPD. Während die Berliner
Parteien alle in der einen oder
anderen Form Streikgegner sind, organisiert
die MLPD die bundesweite
Solidarität und fördert den Weg
der Arbeiteroffensive.
Hier der vollständige Text von "Tarifstreik aktuell Nr. 2" im pdf-Format
